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Wiedereinführung der Meisterpflicht für einige Berufe

Aufhorchender Hund

Foto: Javier Brosch / shutterstock.com

Auswirkungen auf den Pferdewirtschaftsmeister?

Am 01.01.2020 soll das „Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung“ in Kraft treten. Was sich unscheinbar anhört, kann es in sich haben: Es ist unter anderem geplant, den Begriff des Meisters durch Kunstbegriffe wie „Bachelor Professional“ oder „Master Professional“ zu ersetzen. Es ist zu befürchten, dass dadurch der weltweit anerkannte Qualitätsbegriff des deutschen Meistertitels eine Abwertung erfahren könnte.

 

Ferner ist 2004 für viele Berufe die Meisterpflicht abgeschafft worden. Jetzt ist die „Rückvermeisterung“ geplant. Das bedeutet, dass viele Selbständige sich dann nur noch mit der Qualifikation als Meister selbständig machen können.

Was bedeutet das für den Pferdewirtschaftsmeister?

Da der Pferdewirtschaftsmeister nie zur Ausübung der Selbständigkeit nötig war, betrifft eine eventuelle „Rückvermeisterung“ diesen Beruf nicht. Allerdings würde die Rückkehr zur Meisterpflicht auch den Beruf des Pferdewirtschaftsmeisters aufwerten.

Anders verhält es sich mit einer etwaigen neuen Namensgebung: Da wird aus dem Pferdewirtschaftsmeister vielleicht der „Pferde Bachelor Professional“? Man kann gespannt sein!

Die Interessen der Praktiker (Meister) werden von zahlreichen Verbänden vertreten, und diese geben Ihre Stellungnahmen und Empfehlungen ab – im Januar 2020 werden wir schlauer sein, ob wir in etwaigen neuen Berufsbezeichnungen den Meister wiederfinden.

Hintergründe zur Wiedereinführung der Meisterpflicht für einige Berufe

2004 wurde die Meisterpflicht bei über 50 von ca. 90 Gewerken abgeschafft. Ziel war es, den Wettbewerb und Unternehmensgründungen zu fördern. Demnach konnten sich viele Handwerker auch ohne Meisterbrief selbstständig machen.

Die Auswirkungen

Es folgte ein Betriebsgründungsboom bei vielen Gewerken, gleichzeitig jedoch sank die Überlebensrate der Handwerksbetriebe. Die Anzahl der Meisterabschlüsse ging erheblich zurück, da dieser nicht mehr für eine Betriebsgründung benötigt wurde. Die Folge: Oft lässt die Qualität der ausgeführten Arbeiten zu wünschen übrig. Ein weiterer negativer Punkt ist, dass die Ausbildungsabschlüsse in den Handwerkerberufen stark zurückgegangen sind. Das liegt daran, dass Handwerker ohne Meistertitel nur unter hohem Kostenaufwand eine Ausbildungsberechtigung erlangen.

Vorteile einer Rückvermeisterung – Meisterbrief als Qualitätssiegel

Das Handwerk beklagt seit 2014  zum Teil einen Rückgang der Lehrlinge von bis zu 50 %. Gleichzeitig habe sich die Anzahl der  Betriebe um das Fünffache gesteigert. Die Überlebensrate ging  gleichzeitig deutlich zurück.

So sollen zur Wiederherstellung der Handwerksqualität und Förderung der Nachwuchsausbildung zumindest einige Berufe zur Meisterpflicht zurückkehren. Bis zum Herbst dieses Jahres soll im Bundestag ein Gesetzesentwurf beraten werden und das Gesetz selbst zum Januar 2020 in Kraft treten können. Bestehende, bis dahin ohne Meistertitel gegründete Betriebe, sollen dabei jedoch uneingeschränkten Bestandsschutz erhalten.

Gegenstimmen

Kritiker, wie etwa die Monopolkommission, warnen vor einem erhöhten Rückgang von Betriebsgründungen. Vorteil der abgeschafften Meisterpflicht sei auch die Entscheidungsfreiheit der Kunden über die Qualität und somit den Preis der auszuführenden Arbeiten. Gleichzeitig betont Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des DGB, eine Stärkung des Meisterbriefs könne nur mit den Beschäftigten erreicht werden. Dazu gehörten auch Tarifbindungen und verbesserte Arbeitsbedingungen.

Modernisierung der Abschlussbezeichnung?

Die Bildungsministerin Anja Karliczek will einen Schritt weiter gehen und die Bezeichnungen der Weiterbildungsabschlüsse im Handwerk an die der Uniabschlüsse anlehnen. Die Koexistenz der akademischen neben der beruflichen Ausbildung im deutschen Bildungssystem sei einmalig und müsse auf internationaler Ebene transparenter gestaltet werden. Gleichzeitig soll die Gleichwertigkeit der Universitäts- und der beruflichen Fortbildungsabschlüsse betont und die Ausbildung als solche für Schulabsolventen attraktiver gemacht werden. So könnten die neuen Berufsabschlussbezeichnungen „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ entstehen. Bekannte Bezeichnungen wie „Fachwirt“ oder „Meister“ sollen dabei jedoch parallel bestehen bleiben.

Kritik an der Titelmodernisierung

Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz hat sich gegen den Vorschlag ausgesprochen. Nicht die Gleichwertigkeit der Abschlüsse stelle man in Frage, sondern die internationale Transparenz derer Bezeichnungen. Die Abschlüsse „Bachelor“ und „Master“ seien gerade europaweit ausschließlich im akademischen Bereich bekannt, so dass hier Verwechslungen drohen. Transparenz erreiche man hier nur mit eindeutigen und informativen Abschlussbezeichnungen.

Eine eindeutige Entscheidung steht noch aus. Wie diese ausfällt, sollten wir noch im Herbst dieses Jahres erfahren.

 

 

 

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